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Arbeitslosigkeit führt immer öfter in die Sozialhilfe

Immer mehr Bundesbürger kommen ohne Sozialhilfe nicht über die Runden. 2,81 Millionen Menschen leben Ende des vergangenen Jahres von der staatlichen Stütze, teilte das Statistische Bundesamt mit. Den amtlichen Statistikern zufolge ist dies ist eine Zunahme gegenüber 2002 um zwei Prozent. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund sprach sich angesichts der Zahlen für die Umsetzung der Arbeitsmarktreform Hartz IV aus. Einen starken Anstieg verzeichneten die Behörden vor allem bei Kindern und Jugendlichen: Die Zahl der unter 18-Jährigen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, nahm im Vergleich zu 2002 um 6,2 Prozent auf fast 1,1 Millionen zu.

Damit waren vergangenes Jahr 7,2 Prozent aller Kinder und Jugendlichen hierzulande auf Hilfe zum Lebensunterhalt angewiesen. Die Zahl der Empfänger-Ehepaare mit Kindern unter 18 Jahren stieg um 11,8 Prozent auf gut 156 000. Die Situation kinderloser Paare verbesserte sich dagegen: Die Zahl der Sozialhilfeempfänger sank bei ihnen um 10,1 Prozent auf knapp 98 000.

Auch bei der Altersgruppe von 18 bis 64 Jahren stieg die Zahl der Empfänger deutlich um 5,3 Prozent auf 1,63 Millionen. Diese Entwicklung ist nach Angaben der Wiesbadener Statistiker vor allem auf die Zunahme der arbeitslosen Sozialhilfeempfänger zurückzuführen: Deren Zahl stieg um 14,3 Prozent auf 836 000. Ausländer haben mit 8,4 Prozent eine deutlich höhere Sozialhilfequote als Deutsche mit 2,9 Prozent.

In den alten Bundesländern (ohne Berlin) lebten 2003 etwa 2,12 Millionen Sozialhilfeempfänger, in Ostdeutschland (ebenfalls ohne Berlin) 426 000. Damit erhöhte sich die Zahl der Bezieher im Westen um 1,2 Prozent und im Osten deutlich stärker um 4,9 Prozent. Die Sozialhilfequote in Westdeutschland liegt mit 3,2 Prozent nur noch 0,1 Prozentpunkte über der im Osten.

Die höchsten Quoten gab es Ende 2003 in den Stadtstaaten Bremen (9,2 Prozent), Berlin (7,7) und Hamburg (6,9). Unter den Flächenländern wiesen das Saarland sowie Schleswig-Holstein mit jeweils 4,1 Prozent die höchsten Quoten auf. Die niedrigsten Werte verzeichneten Bayern (1,8), Baden-Württemberg (2,1) und Thüringen (2,3).

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hofft angesichts des Anstiegs bei der Sozialhilfe auf die Hartz-Reform. "Die Zahlen sind eher eine Bekräftigung für Hartz IV und graben den Gegnern das Wasser ab", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundes, Helmut Dedy. Er begrüßte vor allem die verpflichtenden Angebote für Menschen unter 25. "Es gibt mittlerweile regelrechte Sozialhilfekarrieren", sagte Dedy. Diese müssten durchbrochen werden.

© Frankfurter Rundschau, 10. August 2004.